Montag, 14. September 2015

Informativer Gastartikel über Hormontherapien von Dr. Nessy


Meine lieben Leserinnen und -Leser!

Angesicht der dramatischen Ereignisse der letzten Stunden und Tage, die Europa und speziell Deutschland und Österreich in Bann halten, fällt es mir ein wenig schwer, mich auf meinen unmaßgeblichen Blog zu konzentrieren. Dennoch möchte ich dazu hier nicht äußern, sondern einen auf ein ganz anderes Thema aufmerksam machen.

Letzte Woche durfte ich ein klein wenig über mich auf Nessy´s großartigen Blog (http://happyhealthytrendy.com/2015/09/07/gastartikel-nadine-eine-kleine-transgender-geschichte/) schreiben. Nun war sie so lieb und hat auch einen tollen Beitrag für meinen Blog verfasst, den ich Euch hiermit ans Herz lege!
Nessy ist - wie ich bereits in meinem letzten Post erwähnte - Ärztin für Gynäkologie, Interne- und Notfallmedizin und hat damit auch eine professionelle Erfahrung mit Hormonen. Es freut mich sehr, dass sie sich bereit erklärt hat, einen äußerst informativen und übersichtlichen Artikel über die Möglichkeiten einer Hormonbehandlung bei Transgender-Personen zu verfassen. 

Hallo Ihr Lieben,
diesen Beitrag habe ich für Nadine als kleine Revanche für ihren schönen Artikel über Transgender auf meinem Blog (happinessygirls.com) geschrieben. Ich durfte diesen warmherzigen, lieben Menschen über unsere Blogs kennenlernen, wo sie mir durch ihre Herzlichkeit und Kompetenz auffiel.
Auch wenn Nadine selbst ja nur Ausflüge ins Leben mit der anderen Geschlechterrolle macht und wahrscheinlich nie eine Hormontherapie wollen würde, habe ich dieses Thema gewählt, weil es noch relativ wenig Überblicke dazu gibt und ich es wichtig finde, auch darüber offen zu informieren, obwohl oder gerade weil die Gesellschaft doch erst langsam zu einer natürlichen Akzeptanz dieser Menschen bereit ist.

Zwischen den Geschlechtern... Thomas „Tom“ Neuwirth alias Conchita Wurst. Er nimmt höchstwahrscheinlich keine Hormone, denn er steht auch zu seiner Männlichkeit - deshalb bleibt der Bart auch dran!



Noch gelten sie bei manchen als schrille Paradiesvögel, die ja nur wenige sind. Oft möchten sie einfach nur "normale" Menschen sein. Die Tatsache, dass sich ihr angeborenes Geschlecht nicht oder nicht ganz oder auch nur nicht alleinig  "richtig" anfühlt, empfinden sie oft als belastend und erwarten Hilfe, die man ihnen nicht verwehren darf.
Damit sich alle Interessierten und Betroffenen einen groben Überblick verschaffen können, habe Euch das Wichtigste zusammengefasst und dabei die deutschen Standards als Grundlage genommen. Bei den  österreichischen Empfehlungen sind die Voraussetzungen und der Weg aber recht ähnlich (rote Begriffe sind verlinkt). Mir geht es aber hier auch gar nicht um rechtliche Einzelheiten sondern um einem Gesamt-Überblick, der Euch aufzeigen soll, welche Schritte auf Betroffene zukommen und welche Überlegungen dabei wichtig sind. Natürlich übernehme ich wie immer keine Haftung für die Inhalte und auf Vollständigkeit und es ist selbstverständlich, dass dieser Artikel keine ärztliche Beratung oder gar Behandlung ersetzen kann. So, nun wünsche ich Euch eine interessante Lesezeit!


1.Überlegungen zu der medizinischen Behandlung von Transsexuellen


Der Wunsch, in einem gegengeschlechtlichen Körper ganz oder nur zeitweise zu wohnen, ist so alt, wie die Menschheit selbst. Wir wissen mittlerweile, dass alle Spielarten vorkommen, aber nicht, wie und warum sie entstehen...  Dieses "Andersartige" hat Menschen auch gleichzeitig mit Angst erfüllt - weshalb die "ehrbare" Medizin sich lange nicht mit diesem Thema befasst hat...

Es ist aber nicht Aufgabe der Ärzte, zu richten, sondern, den Menschen sich in seinem Körper wohlfühlen zu lassen. Allerdings ist ein allzu forsches Handeln auch meist nicht im Sinne des Betroffenen, gerade weil sich dieser oft selbst noch nicht klar darüber ist, wie weit er/sie Schluß endlich gehen möchte. Dazu kommt, dass sich durch medizinisches Eingreifen nicht nur der Körper, sondern auch die Psyche mehr oder weniger verändert. Deshalb ist die Durchführung von Therapien ein wirklich nicht gerade einfacher, sondern häufig sehr sensibler Weg, den Arzt und Betroffene/r zusammen oft lang, manchmal schön, aber auch hin und wieder recht beschwerlich gehen müssen... Hier ist gegenseitiges Vertrauen die unabdingbare Voraussetzung! Es ist für beide Parts sehr unangenehm, wenn ein häufiger Arztwechsel die Therapie behindert. Deshalb müssen sich beide im Klaren sein, dass es den Königsweg nicht gibt, sondern das richtige Vorgehen eventuell sogar hin und wieder neu definiert werden muß. Häufig ändert sich während der Therapie die Einstellung, weil sie individuell verschieden verkraftet wird. Nebenwirkungen sind dabei nicht als Indiz menschlichen Versagens zu sehen, sondern leider als oft nicht vermeidbare Begleiterscheinung. Eines darf man zudem nicht vergessen: Der Körper und die Psyche brauchen  Zeit, um solch´ gravierende Umstellungen zu verarbeiten.

2. Vorraussetzungen für die medizinische Behandlung laut Standards der deutschen Expertenkomission

Damit aber keine allzu große Unsicherheit hinsichtlich der "richtigen" Behandlung herrscht, wurden „Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen“ von einer von der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung einberufenen Expertenkommission entwickelt. Am Anfang steht die Diagnosestellung.


2.1. Kriterien, die für die Diagnose der Transsexualität erfüllt sein müssen:

  • Eine tiefgreifende und dauerhafte gegengeschlechtliche Identifikation;
  • ein anhaltendes Unbehagen hinsichtlich der biologischen Geschlechtszugehörigkeit bzw. ein Gefühl der Inadäquatheit in der entsprechenden Geschlechtsrolle;
  • ein klinisch relevanter Leidensdruck und/oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionen.

2.1.1. Diagnostische Maßnahmen, die für die genannten Kriterien verlangt werden: 

  • Eine Erhebung der biographischen Anamnese (Krankengeschichte) mit den Schwerpunkten der Geschlechtsidentitätsentwicklung, der psychosexuelle Entwicklung (einschließlich der sexuellen Orientierung) und der gegenwärtige Lebenssituation;
  • eine körperliche Untersuchung mit Erhebung des gynäkologischen bzw. andrologischen/urologischen sowie endokrinologischen Befundes (Untersuchung der Geschlechtsorgane, der harnableitenden Organe, der "Drüsenfunktion");
  • eine klinisch-psychiatrische/psychologische Diagnostik
  • Ein Alltagstest, dabei soll der/die Betroffene in seiner gewünschten Geschlechterrolle im Alltag, quasi zur "Übung" und Abklärung seines eigenen Empfindens auftreten;                       
  • eine Psychotherapie soll dazu verhelfen, die adäquate individuelle Lösung für sein spezifisches Identitätsproblem zu finden. Sie soll eine Bearbeitung relevanter psychischer Probleme  ermöglichen.

Der Wunsch nach mehr Weiblichkeit oder Männlichkeit ist durch Gabe von Hormonen ein Stück weit zu erfüllen. Sie führen zu Veränderungen der Haut, Haare, Muskulatur und Physiognomie und auch der Psyche ...
2.1.2. Voraussetzungen, die für die hormonelle Behandlung erfüllt sein müssen (die operative Therapie wird hier nicht abgehandelt):

  • Der Therapeut kennt den Patienten in der Regel mindestens seit einem Jahr.
  • Der Therapeut hat die diagnostischen Kriterien überprüft.
  • Der Therapeut ist zu dem klinisch begründeten Urteil gekommen, dass bei dem Patienten drei  Kriterien der Psychotherapie (die innere Stimmigkeit und Konstanz des Identitätsgeschlechts und seiner individuellen Ausgestaltung, die Lebbarkeit der gewünschten Geschlechtsrolle und die realistische Einschätzung der Möglichkeiten und Grenzen somatischer Behandlungen) gegeben sind.
  • Der Patient hat das Leben in der gewünschten Geschlechtsrolle mindestens ein Jahr lang kontinuierlich erprobt (sogenannter Alltagstest).

Sind die Voraussetzungen erfüllt, erfolgt die Indikation in Form einer schriftlichen Stellungnahme.

Wenn diese Voraussetzungen zur Hormontherapie gegeben sind, bleibt noch die

3. Prüfungen der absoluten und relativen Kontraindikationen

Der Arzt überprüft, ob im Einzelfall eine hormonelle Therapie möglich ist oder nicht :

  • Ein erhöhtes thrombembolisches Risiko kann direkt und/oder indirekt bei Herz-Kreislauferkrankungen, Raucher,  Übergewicht,  Bluthochdruck, Diabetes mellitus und maligne Erkrankungen gegeben sein. Bei einem thromembolischen Ereignis kommt es dazu, dass sich in einem Gefäß ein sich gebildetes Blutgerinsel, eine Gewebe- oder Kalkablagerung löst, welches dann in einem folgenden Gefäß steckenbleibt und es verstopft Dies kann übrigens auch durch Luft der Fall sein, deshalb werden Spritzen immer entlüftet. Die Blutversorgung dahinter ist dann nicht mehr gegeben. Das normalerweise versorgte (Organ-) Gewebe kann nicht mehr funktionieren (z.B. Herzinfarkt, Lungenembolie, Schlaganfall).
  • Auch manche anderen Erkrankungen, z.B. der Leber oder der Nieren, des Gehirns und manche Stoffwechselerkrankungen vertragen sich nicht oder nur eingeschränkt mit einer Hormontherapie.
  • Hormone müssen unter Umständen ein Leben lang eingenommen werden, da es sonst z.B. zu Osteoporose kommen kann. Die Möglichkeit muss gegeben sein.

4. Hormone, die zur Therapie von Transsexualität eingesetzt werden

4.1.Feminisierung: Hormontherapie  für Männer, die weiblicher werden wollen (Mann zu Frau)

4.1.1. Östrogene

4.1.1.1.Wirkung:

  • Brust: - Steigerung der Empfindlichkeit, Vergrößerung der Brustwarzen, später auch des Brustdrüsengewebes (allerdings wird durch Dosissteigerung nicht unbedingt ein größerer Busen erreicht)
  • Fettverteilung "vom Bauch zu den Hüften"
  • Gesichtszüge werden weicher
  • Haut wird zarter, berührungsempfindlicher
  • Körperbehaarung wird weniger , leider kommt es nicht zwangsläufig zur Hemmung des Bartwuchses
  • Hoden und Penis werden kleiner
  • Sterilität, die eventuell nicht reversibel ist
  • Muskelschwund
  • keine Veränderung der Stimmlage
  • Abnahme des Libido und der Sexualität, was manchmal sehr belastend empfunden wird

4.1.1.2. Art und Dosierung der Östrogene, Nebenwirkungen

  • Estradiol /Estradioldivalerat 2mg/d, evtl. Steigerung auf 4 mg  (z.B. Estrifam® 2 mg oder Estradiol 2 mg Jenapharm® 1x1 - 1x2 Tbl./d), wird als Standardtherapie mit Cyproteronacetat s.u. empfohlen.
Bei oraler Einnahme besteht der Nachteil der Verstoffwechselung über die Leber, dabei wird diese belastet und ein Teil schon abgebaut (First pass-Effekt). Durch die erhöhte Gabe steigt das Thrombose-Risiko.

Alternativ  kann deshalb (z.B. bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko) die Gabe als Gel (2 Hübe entsprechen 2 mg Tabletten, z.B. Gynokadin®-Gel, Estreva®-Gel ) oder Pflaster (50 Mikrogramm Pflaster entsprechen 2mg Tabletten) erfolgen.

Durch Östrogene kann es zu Ödemen (Wasseransammlungen) kommen, was eine (geringe) Gewichtszunahme als Folge haben kann. Langfristig sind das aber meist nicht mehr als ca 2 kg.
  • Etinylestradiol wirkt stärker und wird nicht so schnell abgebaut, da es sich um ein körperfremdes Produkt handelt. Es wirkt auch stark auf die Hypophyse und verdrängt Testosteron und wirkt so auch antiandrogen. Es führt aber zu sehr viel stärkerer Leberbelastung und wird somit nicht als Standardtherapie empfohlen! Es kann eventuell zum Einstieg verwendet werden. Allerdings sind die Östrogenmessungen hier im Körper nicht aussagekräftig, da in der Regel nur das körpereigene Östrogen gemessen wird.

4.1.2. Antiandrogene

4.1.2.1. Wirkung:

Rezeptorblocker wie Cyproteronacetat (Standard) besetzen den Testosteronrezeptor, hemmen also die Wirkung von Testosteron und wirken dabei gestagen.

GnRH Analoga hemmen hingegen die Hormonfreisetzung von Testosteron (siehe unter 4.1.2.3.).

Das führt u.a. zu Hemmung der Spermiogenese und des Libido, Verminderung von KörperbehaarungKörpergeruch und Muskulatur, Verlangsamen bis Stoppen von Alopezie.

4.1.2.2 Nebenwirkungen und Anwendungsbesonderheiten

Nebenwirkungen:

  • Triebdämpfung
  • Müdigkeit/Schlafstörung
  • Appetitlosigkeit
  • depressive Verstimmungen
  • Belastung der Leber und ein Prolactinanstieg, was zu Milchbildung führen kann.
  • Krebsrisiko (v.a. Leber)
  • thrombembolischer Ereignisse
  • Allergien,
  • Thrombosen
Antiandrogene sollen nicht über einen längeren Zeitraum alleine eingesetzt werden, da sonst die gefühlsmäßigen Nebenwirkungen zu sehr zum Tragen kommen, die durch Östrogen abgemildert werden können. Es sollte aber auf Ethinylestradiol wegen Gefahr der Thrombembolien und einem Bericht über Todesfälle in Frankreich bei dieser Kombi, verzichtet werden (s.o. 4.1.1.2.).
Bei der Mann-zu-Frau Standardtherapie wird deshalb Cyproteronacetat (CPA) (Androcur® 5 mg/d - 20 mg/d) in Kombination mit Estradiol (2-4mg/d) gegeben.

Wenn die Hoden entfernt wurden, setzt man besser Gestagene mit weniger Nebenwirkungen ein.

4.1.2.3 Verwendete Wirkstoffe

  • Cyproteronacetat (CPA)
ist ein synthetisches Progesteron-Derivat (siehe oben). Es wird auch bei Akne, Haarausfall (bei Frauen am Kopf), Hypersexualität und Hirsutismus (vermehrte Körperehaarung) angewandt.
  • Bicalutamid (Casodex, Bicalutamid)
ist ein neueres Antiandrogen und soll weniger Depressionen als CPA machen. Es ist ein hochselektiver Testosteronrezeptorblocker, der normalerweise bei der Behandlung von Prostatakrebs eingesetzt wird.
  • Spironolacton
wird normal zur Entwässerung und Blutdrucksenkung eingesetzt, hemmt aber auch dieTestosteronsynthese , ggf. pröoperativ 100-400 mg/d , dabei muß der Kaliumhaushalt regelmäßig überprüft werden!
  • GnRH-Analoga 
z.B. Triptorelin (z.B. Decapeptyl® Depot, Trenantone®) werden normalerweise bei der Behandlung von Brust/Prostatakrebs eingesetzt, zur Endometriose -und Myombehandlung (i.m., Vorteil Retardform nur alle 28 d) .Sie kann z.B. in Kombination mit der Androgensubstitution erfolgen.

Es wirkt etwas anders als die Rezeptorblocker. Physiologisch wird GnRH vom Hypothalamus pulsatil alle 60 bis 90 Minuten abgegeben. Dadurch wird die Hypophyse zur Ausschüttung von FSH und LH angeregt und dadurch die Synthese von Östrogen und Testosteron angeregt. Durch eine pulsatile Gabe von GnRH-Analoga lässt sich dies imitieren und die Hormonfreisetzung stimulieren. Bei langfristiger kontinuierlicher Gabe wird die Hormonfreisetzung jedoch gehemmt (chemische, reversible Kastration), da dafür die pulsatile Ausschüttung nötig ist.

4.1.3. Gestagene

Die Gabe ist nicht obligat. Es kann aber eventuell zyklisch gegeben werden und sich dann positiv auf Psyche und Libido auswirken, ggf. auch auf das Brustwachstum. Es kommt aber gelegentlich auch zur Steigerung des Appetits, was (in eher geringem Ausmaß) zur Gewichtszunahme führen kann.
Z.B. Progesteron Dosierung Kapseln 100 mg 1-4 Kapseln, oder zyklische Gabe mit Östrogen in einer der sog. "Pille" für klimakterische Frauen, z.B. Cyclo-Progynova. In diesem Medikament liegen Gestagene in Kombination mit Estradiolvalerat vor.

4.1.4. Testosteron/ Dihydrotestosteron

kann auch bei Männern kurzfristig nach der "zur Frau"- OP eingesetzt werden, um den psychischen Antrieb und das Wohlbefinden zu steigern (z.B. micro- ionisiertes Testosteron in Liposomengel 1 % tgl. 0,5-1g,  Achtung erhöhtes Thromboserisiko!)

4.2. Maskulinisierung: Hormone für Frauen, die männlicher sein wollen (Frau zu Mann)

4.2.1. Oraler Ovulationshemmer

im Langzyklus (ohne Einnahmepausen), damit die Periode ausbleibt (Östrogen-Gestagen-Kombi), z.B. Ellviva  Ethinylestradiol + Dienogest als erster Schritt der medikamentösen Behandlung.

4.2.2. Testosteron/Dihydrotestosteron

 um (als nächster Schritt) männliche Attribute zu erlangen.

4.2.2.1. Wirkung

  • Sexualtrieb/Libido steigt
  • Stimme wird tiefer
  • Körperbehaarung wird männlich, Bartwuchs, Glatzenbildung
  • Muskelbildung wird gesteigert
  • männliche Fettverteilung (Bauch)
  • Haut wird gröber, ggf. Akne/unreine Haut
  • Gesichtszüge werden markanter
  • Klitorishypertrophie (daraus kann ggf. Mikro-Penis gebaut werden und vergrößerte Schamlippen

4.2.2.2. Nebenwirkungen und Dosierung von Testosteron:

  • Appetitlosigkeit
  • Schwäche
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Gelbsucht (Leberschaden)
  • selten Niereninsuffizienz
  • Ödeme
  • Akne
  • Ausfall Kopfbehaarung
Dosierungen:


  • Testosteron-Gel 25 - 50 mg topisch
  • Testosteronundecanoat 1000 mg (Nebido®) "3 Monatsspritze",  vierteljährlich i.m.
  • i.m. ölige Lösung Testosteronantatoder /cypionat 55/110/250mg
  • Pflaster Androderm 2,5 mg
  • Kapsel Andriol 40 mg Testosteronundcanoat
Die orale Einnahme in Form von Tabletten belastet den Organismus (Leber) stärker und kann nur für schwächere Dosierungen empfohlen werden. Implantate befinden sich in der Testphase.

4.2.3. Östrogenblocker

4.2.3.1. Wirkung und Dosierung:

Diese hemmen das Brustwachstum und die Periode und können "zum Ausprobieren" vor dem Einsatz von Testosteron gegeben werden. Gestagene hätten eine ähnliche Wirkung, wirken jedoch in Bezug auf die Psyche etwas feminisierend.

Östrogenrezeptorblocker wie Danazol besetzen die Östrogenrezeptoren, so dass sie für Östrogene nicht mehr empfänglich sind und hemmen FSH und LH und gelten insgesamt als gut verträglich.
Tamoxifen gilt als Östrogenrezeptormodulator, es kommt zu einer  kompetitiven Hemmung von Östrogenrezeptoren sowie eine Stimulation von Progesteronrezeptoren.
Dosierung oral (Leberbelastung!):

  • Tamoxifendihydrocitrat Tabletten 10, 20 mg
  • Danazol  200 mg
 Nebenwirkungen: 

  • Thrombosen, Herzinfarkt, Schlaganfall,Krebsrisiko
  • Wechesljahres-ähnlichen Beschwerden wie Hitzewallungen, Ausfluss, unregelmäßige/ausbleibende Periode, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit u/o Erbrechen, Trockenheit oder Juckreiz im Vaginalbereich, Reizung der Haut um die Vagina herum und Hautausschläge
  • Obwohl diese "Nebenwirkung" im beschriebenen Kontext eher unwahrscheinlich sein dürfte, erwähne ich es doch. Es gibt nichts, was es nicht gibt... Frauen, die noch ihre Periode haben, könnten schwanger werden, während sie Tamoxifen einnehmen. Da Tamoxifen das ungeborene Kind schädigen könnte, sollten Frauen, bevor sie Tamoxifen nehmen, mit ihrem Arzt über Empfängnisverhütungsmaßnahmen sprechen.
  • Da sich Östrogen anabol und positiv auf den Cholesterinspiegel und Knochenbau auswirkt und  für die endogene Wachstumshormonausschüttung unentbehrlich ist, zudem zur Bildung von IGF-1 ( Insulin-like growth factor 1, ein wesentlicher Faktor für die Steuerung des Zellwachstums) benötigt wird, können diese Wirkungen  bei Blockierung natürlich beeinträchtigt sein!

5. Allgemeine Nebenwirkungen, die bei Gabe  von oben genannten Hormonen  auftreten können, noch einmal zusammengefasst:

(nach Wichtigkeit, nicht nach Häufigkeit sortiert)

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Leber/Nieren/Erkrankungen
  • Steigerung des Blutdruckes
  • Auslösung von Krebserkrankungen (Brust/Prostata/Haut)
  • Pigmentflecken
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Depressionen
  • Übelkeit
  • Osteoporose bei hormoneller Unterversorgung
  • Allergien ...
So, das war das Wichtigste zu dem Thema. Viele Betroffene leben ein Leben in Zufriedenheit, indem sie durch die Hormone in ihrem Empfinden als andersgeschlechtlich unterstützt werden. Trotzdem ist es natürlich nicht immer einfach, weil innere und äußere Widerstände zu überwinden sind. Gegebenfalls kann tatsächlich nur dann Zufriedenheit erlangt werden, wenn man auch noch den Schritt der operativen Umwandlung geht. Oder man merkt nach einer Weile, dass man doch lieber in sein altes Leben zurück möchte...

Liebe Betroffene!
Wichtig ist, dass Ihr Euer Glück und Eure Zufriedenheit findet. Und das hängt nicht nur an einem Stück, das da ist oder nicht, sondern auch und vor allem, wie Ihr damit umgeht. Denkt daran: Ihr müsst nicht die Gesellschaft glücklich machen, sondern Euch selbst. Sucht Menschen, die Euch helfen und es gut mit Euch meinen. Werte wie Herzlichkeit, Nächstenliebe, Klugheit, Gesundheit... Frieden sind die, die letztendlich zählen!

Danke, Liebe Nadine, dass Du mich auf Deinen schönen Block eingeladen hast!
Dir und allen Lesern eine wunderschöne Woche, Nessy von den happinessygirls.com

Vielen Dank, liebe Nessy, für diesen großartigen und äußerst informativen Artikel! 
Es würde mich freuen, wenn Du damit ein klein wenig zur Aufklärung der Betroffenen bezüglich der Chancen, vor allem aber auch der Risiken einer Hormontherapie beitragen konntest!

Ich wünsche Dir und allen Lesserinnen und Lesern eine wunderbare Woche, Nadine


Kommentare:

  1. very interesting article Nadine! (I used google translator to translate it). I agree with you when you say that time is needed to get accostumed to a new role.

    I think even when a person is absolutely sure that she or he wants to change their gender, it is good to take things slow and let the body adjust.

    I've seen documentaries about people who took hormone therapy in order to become more like the gender they feel comfortable in being and I think in most cases they feel better. However, once should always consult the doctors and seek advice from professional medical workers. Hormone therapy, just like any other therapy, needs to be introduced with care and with monitoring from both the doctor who prescribes it and the person who takes it.

    Some people might feel like they don't really need it and my choose to stop it, while for others it may be a big help in their everyday life.

    Have a lovely day Nadine! Thank you for your comments.

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    1. Dear Ivana!

      Thank you so much for your suportive comment!

      Just to get clear, this article has been written by Nessy, who is a doctor from Germany. I just made the introduction.

      You are so right, that it takes time to get accostumed to a new role and it is very important to take things slow. And the most important thing with a Hormone therapy is to seek advice from medical doctors.

      For me, my feminine side is just a part of me, which is very important and live-enhancing for me, but I do not want to change my gender. Therefore I do not take any Hormones, but I enjoy my feminine part very much!

      Have a lovely day too, dear Ivana! I apreciate your comments so much!!!

      Love, Nadine

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    2. I believe we all have both a feminine and masculine side, but with everyone it is developed in a different way and sometimes it can change as we change...we are not always the same and that is natural. People always have the need to classify everything and everyone and I believe that it is wonderful that we all the different...and the more different and the unique this world gets, it is for the better.

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    3. Oh yes, you are so right, dear Ivana, there is nothing to add! Thank you so much for your lovely comment!

      xxx Nadine

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  2. Hi Nadine, zu dem Gastbeitrag kann ich leider nichts beitragen.. zu fern ist das Thema für mich.

    Was Du eingangs schreibst, über die aktuellen Zustände in Europa, das geht mir gerade genauso wie Dir. Die Ereignisse haben mich die letzten Tage so beschäftigt, dass ich mich gar nicht mehr auf meinen Blog konzentrieren konnte und es mir schien, als wäre es jetzt "unpassend" über so banale Dinge wie Mode zu posten... Aber auch ein Blog muss weitergehen und so werde ich mich gleich mal ransetzen...

    Toll siehste wieder aus liebe Nadine!!

    Liebe Grüße aus Berlin!

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    1. Hi Bianca, kann ich mir gut vorstellen, dass der Gastbeitrag fremd ist, wenn man nicht betroffen ist. Umso mehr freut es mich, dass Du mir trotzdem einen Kommentar hinterlässt, vielen Dank!

      Es würde mich auch freuen, wenn Dich mein Beitrag zu einem neuen Post auf Deinem animiert haben sollte ;-))

      Vielen Dank für Dein schönes Kompliment und ganz liebe Grüße aus Wien!
      Nadine

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  3. Liebe Nadine und liebe Nessy,

    ich gebe zu, dass ich die medizinischen Details jetzt nur überflogen habe, denn auch wenn ich mir vor allem in jüngeren Jahren manchmal gewünscht habe, ein Mann bzw. ein Bursche zu sein – oder dass es überhaupt keine Geschlechter(rollen) gibt, in die man sich einzuordnen hat - hatte ich nie das Gefühl, im falschen Körper geboren zu sein. Ich fand es nur nicht richtig, was von „der Gesellschaft“ in die verschiedenen Körper bzw. Geschlechter hineininterpretiert wird. Möglicherweise würde sich niemand unglücklich mit seinem oder ihrem Körper fühlen, wenn es diese Klassifizierung nicht gäbe. Derzeit findet ja (auch dank mancher Menschen, die in der Öffentlichkeit zu ihrem „Anderssein“ bzw. "Einfachnurichselbstseinwurschtobmanderloderweiberl" stehen) ein gewisses Umdenken oder zumindest eine Beschäftigung mit dem Thema statt, aber manche Vorurteile halten sich natürlich hartnäckig – und ich fürchte, aus einigen Menschen werden die nie rauszubringen sein. Mir persönlich war’s jedenfalls immer wichtiger, welche Seele in einem Menschen steckt und nicht in welchem Körper die Seele steckt. Nessys Schlussabsätze über die inneren und äußeren Widerstände, die zu überwinden sind und dass Glück und Zufriedenheit nicht an einem Stück hängt, das da ist oder nicht, sondern am eigenen Umgang damit, haben mir demnach besonders gut gefallen.

    Zum Thema Irland: Na, ich scheine dir ja ganz schön den Mund wassrig gemacht zu haben, liebe Nadine ;o)) Wenn’s dich tröstet, bei mir ist heuer auch nix mehr mit „richtig“ Urlaub. Nur noch ein verlängertes Wochenende in Hamburg, und das war’s dann… Aber immerhin! :o)

    Alles Liebe, die Traude

    http://rostrose.blogspot.co.at/2015/09/rettet-die-lachfalte-9-irland-vor-20.html

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    1. Liebe Traude!

      Vielen Dank für Deine ausführlichen Zeilen und Gedanken! Wie recht Du doch hast, dass es wichtiger ist, welche Seele in einem Menschen als in welchem Körper die Seele steckt! Besser kann man es gar nicht formulieren. Mir haben Nessys Schlusssätze auch besonders gut gefallen. Schön, dass Du bei diesem etwas "sperrigen" Thema so viel Empathie zeigst!

      Mmmm, es geht heuer noch nach Hamburg? Da machst Duz mir den Mund ja schon wieder wässrig ... Hamburg steht auch schon einige Zeit auf meinem Wunschzettel;-)) Wir haben ganz offensichtlich einen ähnlichen Reisegeschmack.

      Alles Liebe
      Nadine

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  4. ich kann mich traude nur anschliessen! dieses " so hat man auszusehen als frau/mann" "ein mädchen tut das nicht" "richtige männer tragen sowas nicht" geht mir schon mein ganzes leben auf die nerven. können wir nicht einfach menschen sein - ohne immer in schubladen stecken zu müssen???
    alles liebe! xxxxx

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    1. Oja, liebe Beate, das wäre wunderbar. Eines kann man trotzdem feststellen: Das "Schubladendenken" und die Toleranz ist in den letzten Jahren schon deutlich besser geworden ...

      Vielen Dank und alles Liebe,
      Nadine

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  5. Liebe Leser/innen! Auch Ich danke Euch sehr für die lieben Kommentare, denen ich mich ausnahmslos anschließen kann. Auch wenn ich persönlich gerne ´"Meedchen" bin... Aber deshalb kann ich ja Männer gut verstehen, die auch (zumindest dann und wann) den Wunsch haben. Schon wegen der Strümpfe ;-) . Aber andererseits, wenn ich dann die Männer mit ihrem Pragmatismus und ihrer Geradlinigkeit und ihren breiten Schultern sehe... Bin ich da vielleicht auch manchmal ein klitzekleines bisschen neidisch...
    Habt einen wunderschönen Tag, Nessy von den happinessygirls.com

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    1. Liebe Nessy,
      ich muss mich nochmals für Deinen tollen Artikel und die viele Arbeit, die damit verbunden war, bedanken!

      Bezüglich der Strümpfe bin ich ganz bei Dir ... ich liebe das Gefühl von zarten Nylon auf meinen Beinen ...:))
      Zumindest auf meine breiten Schultern brauchst Du mir nicht neidisch sein. Gerade auf die würde ich nur allzu gerne verzichten. Dann würde mir so manches Kleidchen besser stehen ;-)))

      Wünsch´Dir auch noch einen wunderschönen Tag, Nadine

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